Die Geschichte des Stuckmarmor

Die Gestaltung von Balustraden, Handläufen, Wänden, Pfeilern und Fenstereinfassungen mit Stuckmarmor wurde in der Zeit der Renaissance eingeführt, da die Beschaffung von echten Marmor zu teuer oder schwierig gewesen ist. Die Blütezeit des Stuckmarmor stellte die Zeit des Barocks und des verspielten Rokokos dar. Zu dieser Zeit spezialisierten sich Stukkateure zu Spezialisten des Stuckmarmors. Sie standen in hoher Gunst bei Königs- und Fürstenhäusern und wurden überregional angefordert. Der Besitz der speziellen Rezepturen und der entsprechenden Schleifsteine galt als eine Art Qualifikation. Sie wurden weitervererbt und stellten höchsten Familienbesitz dar. Seitdem wurde diese Technik nur noch selten angewendet und schwerpunktmäßig im Bereich der Denkmalpflege und Restaurierungen gefordert.

Für die Herstellung von Stuckmarmor werden umfangreiche Fach- und Materialkenntnisse, handwerkliches Geschick und folgende Materialien benötigt: Alabastergips, Knochenleim, Sumpfkalk, Erdfarben, verschiedene Schleifsteine, Bienen- und Carnubawachs, Leinöl, Terpentin und andere Zusätze. Vor dem Vermischen werden der Gips und das Farbpulver durch ein feines Haarsieb gedrückt, um Verunreinigungen auszuschließen. Anschließend wird der Gipsmörtel in drei gleich große Stücke geteilt und unterschiedlich stark eingefärbt. Die Struktur, die dem Marmor den typischen Charakter und seine Oberflächenschönheit verleiht, stellt bei der Herstellung von Stuckmarmor den anspruchsvollsten Teil dar. Dazu wird ein brotähnlicher Laib hergestellt, der anschließend verdreht aufgerissen wird. In die Flanken werden die vorbereiteten Farben eingegossen. Alternativ dazu kann der Mörtellaib auch in unregelmäßige Brocken zerrissen und im Farbpulver gewälzt werden. Anschließend wird der gesamte Mörtellaib gut durchgeknetet und in Scheiben geschnitten. Diese Scheiben werden dann auf den Untergrund aufgelegt und kräftig angedrückt. Nachdem die Oberfläche begradigt und geglättet wurde, kann nach ausreichender Härtung das Schleifen beginnen.

Hierzu werden acht verschiedene Schleifsteine verwendet. Der erste Schliff erfolgt mit einem groben, der zweite Schliff mit einem mittleren und der dritte Schliff mit einem feinen Bimsstein. Zwischen den Schleifvorgängen wird der Marmor zweimal mit dem bereitgestellten Spachtelwasser gespachtelt. Die Trocknung der einzelnen Spachtelgänge erfolgt in der Regel über Nacht. Nach dem vierten Schliff, der mit dem Schlangenstein erfolgt, sollte die Oberfläche keine offenen Poren mehr besitzen. Des Weiteren ist vor dem nächsten Schleifgang unbedingte Voraussetzung, daß der Stuckmarmor komplett und vollständig ausgetrocknet ist. Der fünfte Schliff erfolgt mit dem sog. ersten Zieher, der sechste Schliff mit dem zweiten Zieher, wobei dieser Schleifstein keinerlei Quarzadern oder sonstige Einschlüsse aufweisen darf. Der siebte Schliff erfolgt mit dem sog. Glänzer. Anschließend wird die Oberfläche mit Stuckflüssigkeit abgespachtelt. Diese Feinspachtelung, der man Gelatine aus Kälberhäuten und keinen Knochenleim zusetzt, wird mit dem Naturhaarpinsel warm aufgetragen. Der letzte Schliff der Stuckmarmoroberfläche wird dann mit dem sog. Blutstein durchgeführt.

Die Oberfläche wird abschließend, nach endgültiger Austrocknung, mit einer Mischung aus kaltgeschlagener Leinölfirnis und gleichen Anteilen Terpentin mit einem weichen Lappen eingeölt. Nach ungefähr einer Woche kann die Oberfläche wieder mit einem weichen Lappen eingewachst werden. Nach dem Verdunsten des Terpentins kann mit dem Abreiben und Polieren begonnen werden.

Diese Auflistung der einzelnen Arbeitsschritte verdeutlicht, wie aufwendig Stuckmarmor hergestellt wird. Aus diesem Grund werden Stuckmarmorflächen hauptsächlich im Rahmen von Restaurierung ausgeführt, obwohl, eine derart behandelte Oberfläche widerstandsfähiger und haltbarer ist, als eine Naturmarmoroberfläche.

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